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Lagerung
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Das ein Film empfindlich ist und dem entsprechend sorgfältig aufbewahrt werden sollte ist sicherlich unstrittig.

Aber wie ???   -- da gehen die Meinungen doch ziemlich weit auseinander.

Möglichst gleichmäßig, aber nicht zu fest, auf einer Spule aufgewickelt. Mit einem Rest Filmklebeband gegen aufwickeln gesichert. In einer Dose oder Karton um ihn vor Staub zu schützen. Dem werden wohl noch die meisten zustimmen.

Auch bei der Temperatur, möglichst gleich bleibend und kühl, herrscht noch weitestgehend Zustimmung.

Aber die Frage luftdicht oder nicht wird schon kontrovers diskutiert. Und für die relative Luftfeuchte im Lagerraum findet sich ein breites Spektrum an Möglichkeiten. Auch die Frage nach dem regelmäßigem umspulen wird man nicht abschließend beantworten können.

Jeder Sammler oder Filmliebhaber hat da sicherlich seine eigene Philosophie. Mal ganz von den Möglichkeiten abgesehen.  Wer kann sich schon eine Klimakammer leisten  ??  -  für optimale  10°C und 20 - 50% rF

Aber warum ist das so  ????

Es gibt drei gefürchtet Effekte, die den Film schädigen und sogar unspielbar machen können. Sie sind durch die Lagerung beeinflussbar, aber teilweise nicht aufzuhalten.

Das Essigsyndrom ( Vinegar Syndrom ), Schimmel  und der Rotstich.

Bei einer relativen Luftfeuchte von über 70 % kann es in kurzer Zeit zu einer Schimmelbildung kommen. Ist ein Film einmal mit Schimmel befallen kann man ihn nicht mehr verwenden. Vorsicht, die Schimmelpilze können Krankheiten auslösen.

Celluloid, der Name des ersten verwendeten Filmmaterials, setzt sich aus  "Cellulose", also dem pflanzlichen Ausgangsmaterial, und dem griechischen "-oid": -artig bzw. ähnlich, zusammen. Die ersten Zelluloidfilme bestanden aus einem Nitrocellulosepolymer ( Nitrofilm ) . Diese sind leicht entzündlich und werden heute als explosiv eingestuft. Nitrofilm wurde aber für den Schmalfilmbereich nicht verwendet.

Für die weiteren Ausführungen ( Nitrofilm bleibt unberücksichtigt ) muss man zwei Arten des Films ( Trägermaterial ) unterscheiden. Den Cellulosecetatfilm >Acetatfilm< und Filme auf Polyethylenterephtalat-Basis > Polyesterfilm<.

Polyesterfilme sind weitgehend unempfindlich gegen chemische Veränderungen, Außerdem können sie auch mechanisch nicht so leicht zerstört werden ( Reisfest ). Bei der Lagerung ist zu beachten, dass der Film, wenn er zu lange aufgespult im Lager liegt, sich mit der Zeit der Spannung anpasst und dadurch eine Wölbung entwickelt. Dem kann man durch regelmäßiges Umspulen entgegenwirken. Bei zu feuchten Lagerungsbedingungen können die Emulsionsschichten aneinanderkleben. Beim Abspielen kann die Verbindung der beiden Schichten so stark sein, dass der Film breitenmäßig einreißt.

 Doch viele ältere Kopien sind nun mal Cellulosecetatfilm.

Der Rotstich :

Es gab/ gibt verschiedene Verfahren / Materialien die Farbe in den Film bringen.  Einige sind farbstabil ( z.B. Technicolor ) andere verlieren im Laufe der Zeit ihre Farben. Meistens die Gelb- und Blauschicht im Film, so dass die Rottöne stark hervortreten. Neigt ein Film zum Rotstich kann man dagegen nichts machen. 

Bei " richtigem " 2 Schwarz-Weiss-Filmen kann natürlich kein Rotstich entstehen. Allerdings gibt es auch viele SW-Filme die auf Farbmaterial kopiert wurden. Dort entsteht dann ggf. auch eine farbliche Veränderung

Die Geschwindigkeit der Farbveränderung ist von der Lagerung abhängig. Je niedriger die Lagertemperatur  ( bis hin zum fachgerechten einfrieren ) desto langsamer ist der Prozess. Auch trockene Lagerung verlangsamt das Fortschreiten des Rotstichs, macht aber ggf. den Film spröde.

Das Essigsyndrom ( Vinegar Syndrom  = VS)

Unter dem Vinegar-Syndrom versteht man die hydrolytische Zersetzung (Hydrolyse = Spaltung einer chemischen Verbindung durch Reaktion mit Wasser > beachte rel. Luftfeuchtigkeit < ) von Celluloseaccetat. Die dabei entstehende Essigsäure wandert dann allmählich an die Oberfläche des Filmes und setzt somit den typischen Essiggeruch frei. Die hydrolytische Abspaltung ist immer vorhanden, wird aber von Temperatur und Luftfeuchtigkeit beeinflusst. Die Reaktion ist oft sehr langwierig ( was jedem Sammler zu wünschen ist ). Je mehr Säure jedoch freigesetzt wird, desto schneller kann diese Ketten-Reaktion, auch autokatalytische Reaktion genannt, ablaufen.  Die freiwerdende Säure beschleunigt also die Reaktion - sie kann aber auch andere Filme infizieren ! Darum sollten solche Filme von anderem Material getrennt werden. Manchmal kann man bei VS- befallenen Filmen auch eine Niederschlag an der Filmoberfläche beobachten. Das ist der Weichmacher ( Triphenylphosphat ), der an die Oberfläche  kristallisiert.  Durch den Verlust des Weichmachers und durch das Abspalten der Aceteatgruppen wird der Film brüchig und er schrumpft. In sehr fortgeschrittenen Stadien des Vinegar-Syndroms kann der Film um bis zu 10% kleiner werden. Ein weiteres Problem ist auch der unterschiedlich schnelle Abbau von der Filmbasis und der Gelatine. Dadurch, dass sich die Basis schneller zersetzt als die Gelatine, löst sich die Gelatineschicht von der Basis ab. Die Gelatine selbst wird von der Essigsäure kaum angegriffen. Die Farben können jedoch ein wenig ausbleichen ( nicht mit dem Rotstich vergleichbar ). Die Reaktionsgeschwindigkeit der hydrolytische Zersetzung wird auch noch von Metallionen beeinflusst, weswegen Kunststoffspulen und Dosen zu empfehlen sind. Auch Magnettonspuren können deshalb verstärkend wirken, eine öftere Kontrolle solcher Kopien scheint empfehlenswert.

Wie schon erwähnt, kann VS nicht aufgehalten oder rückgängig gemacht werden. Optimale Lagerung ist hauptsächlich von der Temperatur und der Luftfeuchte abhängig. Aus dieser Kodaktabelle sind die Jahre der Haltbarkeit in Abhängigkeit Temperatur und Luftfeuchte erkennbar.

Was kann man also tun ?

Filme möglichst kühl und trocken lagern, ab und zu umrollen und kontrollieren. Liegende Aufbewahrung der Filmrollen entlastet das Material. Beim Stapeln nicht zu viele Rollen übereinander - Dosen müssen das Gewicht verteilen können. Werden die Rollen aufrecht gelagert ( ist Platzsparender, da keine Zwischenböden benötig werden - außerdem können die Rollen besser entnommen werden ) die Rollen regelmäßig um 90° drehen. Bei der Kontrolle des Materials Baumwollhandschuhe tragen.

Schimmel darf nicht passieren. Mit Rotstich muss man ggf. leben. Beim Essigsyndrom (VS) muss man handeln bzw. kann vorbeugen.

Hat man VS festgestellt ( Essiggeruch ) kann man den Fortschritt des Verfalls mit A-D Strips messen, da der Geruch nicht immer aussagekräftig ist.  Dieser Test gibt natürlich nur Aufschluss über den chemischen Zustand des Films, den mechanischen kann man selbst beurteilen. Zur Behandlung und/oder Vorbeugung können Molekularsiebe und Vitafilm eingesetzt werden. Auch Kampfer - wurde z.B als Weichmacher in Nitrofilmen verwendet - soll den Film "regenerieren"  ( Brüchigkeit und Schrumpfung ). Dazu Kampfer in Alufolie einwickeln, mehrere Löcher einstechen und dann der Filmdose beilegen . -- Erfahrungsberichte erwünscht !! --

Hat man Filme mit Vitafilm oder Kampfer vorbeugend behandelt, wird man an diesen auch einen "komischen" Geruch wahrnehmen.

Etwas Werbung, für die ich keine Provision erhalte, die aber zum Thema passt ( und ggf. eine Suche erspart ) :

Gefunden bei C. Waller und bei Wittner Kinotechnik :

A-D Strips sind eine sichere und einfache Methode, das Ausmaß des "Essigsäure-Syndroms" bei allen Azetatfilmen  zu erfassen und aufzuzeichnen. Beim "Essigsäure-Syndrom" baut sich der Film chemisch ab, schrumpft, wölbt sich und beginnt, nach Essigsäure zu riechen. Ab einem gewissen Punkt steigt die Zerfallsgeschwindigkeit exponentiell an.

A-D Strips verfärben sich in Gegenwart von Essigsäuredämpfen und zeigen somit an, wie weit der Abbau fortgeschritten ist. Sie sind eine wichtige Hilfe bei der Entscheidung, welche Filmdokumente aus Azetatfilm (Bilddokumente, Kinofilm, Mikrofilm) dupliziert oder sehr schnell kühler gelagert werden müssen.

Der Haupt-Anwendungszweck der A-D Strips besteht darin, den ungefähren Zerfallsgrad einzelner Filmdokumente auf Basis von Azetat zu bestimmen. Doch sie lassen sich auch einsetzen, um ganze Sammlungen zu screenen. Dies ergibt ein objektives Bild des aktuellen Zustands der Sammlung und zeigt auf, welche Dokumente vorrangig dupliziert werden sollten.

Bei Raumtemperatur und mittlerer rF wird die Zersetzungkurve nach ca. 50 Jahren stark ansteigen. Perioden höherer Temperatur und Luftfeuchte beschleunigen den Prozess, kältere und trockenere Perioden verzögern ihn.

Filme, die bei 10°C und 20 - 50% rF aufbewahrt werden, können Jahrhunderte überdauern, während Filme, die unter schlechten Bedingnungen gelagert sind, sich innerhalb von Jahrzehnten zersetzen. Farbfilme profitieren doppelt von kühler Lagerung, denn nicht nur das Substrat sondern auch die Farbstoffe bleiben so länger erhalten (siehe ANSI Standard IT9.11-1994 und ISO Standard 5466-1992, die Lagerungsbedingungen für Filme empfehlen).

Gefunden bei Wittner Kinotechnik :

Kodak Molekular-Sieb
Das Mittel für verbesserte Farbstabilität durch säure- und feuchtigkeitsfreie Filmlagerung. Das Molekular-Sieb ist eine vielversprechende, neue Technologie, die von Eastman-Kodak entwickelt wurde. Es hat die Fähigkeit, die Reaktion zu hemmen, die zum Essig-Syndrom führt. Einfach gesagt, die Beilage vom Molekular-Sieb, in einer verschlossenen Dose mit entwickeltem Film, bewirkt eine verlängerte Haltbarkeit des Farbstoffbildes und der Filmunterlage weit über den gegenwärtig angenommenen Zeitraum hinaus.

 

Laut Anleitung soll der Film mit den Molekular-Sieb Beutelchen noch in eine Plastiktüte gelegt werden. Das funktioniert e bei meinen Dosen nicht wirklich gut ( und ich habe darauf verzichtet ). Auch wenn die Rollen sehr voll sind, ist es nicht ganz leicht die Beutelchen so zu platzieren, dass die Dose noch geschlossen werden kann. 

 VITAFILM ®
VITAFILM ®. Das Filmkonditionierungs- und Konservierungsmittel für neue und alte Filme in allen Formaten. Bewährt seit 75 Jahren. Reinigt und konserviert alle Farb- und SW-Filme, mit und ohne Ton (Licht- und Magnetton). Gibt alten Filmen neues Leben und neue Frische, wirkt gegen Versprödung und Austrocknung, macht den Film wieder flexibel und gleitfähig. VITAFILM ® wurde speziell entwickelt, um tief in die molekulare Struktur des Filmträgers einzudringen. Dadurch besitzt VITAFILM ® die einzigartige Fähigkeit, gealtertes Filmmaterial von innen heraus wieder aufzubereiten und zu konditionieren und neue Filme optimal zu konservieren. In den meisten Fällen kann VITAFILM ® sogar das Essigsäure-Syndrom (Vinegar Syndrome) aufhalten. VITAFILM ® ist einfach anzuwenden.
VITAFILM ® kann ebenfalls hervorragend als Filmreiniger für neue und alte Filme eingesetzt werden und beugt dabei bereits dem Alterungsprozeß vor.
 

 

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Stand: 07. April 2016