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2tes Leben
Selcton II (W) Selecton II (O) Reparatur 2tes Leben

 

Das zweite Leben für eine Selecton IIW

 

Im Herbst 2013 konnte ich für kleines Geld eine Bauer Selecton II W erwerben. Der Verkäufer  machte auch keine falsche Angaben, denn er beschrieb die Maschine als “nicht funktionsfähig“.  Aber als ich sie dann vor mir sah, war ich doch etwas erschrocken. So versifft hatte ich noch keinen Projektor gesehen. Überall, wirklich überall,  war verharztes Öl. Keines der normalerweise drehenden Teile war mehr beweglich. Wirklich schlimm war dann der Blick bei abgenommener Haube und des Lüftergehäuses. Auch hier überall Öl, aber auch jede Menge Scherben. Der Spiegel, der Kondensor und sicherlich auch einige Lampen lagen zerbrochen verteilt und “klebten“ an den Wänden. Vom Lampenregulierwiderstand, eigentlich ja ein massives Bauteil, war der Keramikkörper zerbrochen und die Drähte hingen frei im Raum.  Also erst einmal die Bodenplatte abgeschraubt, und grob die Scherben entfernt.

Irgendwie war ich dann doch etwas geschockt als ich den Gesamtzustand realisiert hatte. Selbst als Teileträger vmtl. nicht mehr zu gebrauchen – so dachte ich mir, darum habe ich auch keine Bilder in diesem Zustand von dem Projektor gemacht.

 

 

Was mag diesem Projektor wohl passiert sein ??   

Dieses Bild ist nach der ersten groben Reinigung entstanden -  man erkennt nur noch eine Hälfte des Lampenregulierwiderstandes, die Drähte der anderen Hälfte sind schon entfernt.

Als ich über diese Frage nach sinnierte, fing ich einfach mal an das Gehäuse von seinem unansehnlichen und klebrigen Film zu befreien. Nach einer guten Stunde Putzdienst, der Reiniger Ambassador leistet erstaunliches,  war ich dann doch wieder überrascht wie gut der Lack aussah. Auch die Schalt- und Umlenkrollen waren wieder ansehnlich. Das Öl hatte hier vor Rost geschützt.  Also verschrotten kommt so doch gar nicht mehr in Frage, daher entschied ich mich für einen Versuch der Selecton IIW ein zweites Leben zu schenken.    

Entgegen meinen Erwartungen war der Motor von Öl und Scherben fast verschont geblieben. Trotzdem habe ich ihn gereinigt. Tatsächlich ließ sich der Motor im abgebauten Zustand auch leicht drehen. Ein Laufversuch mit 110 V zeigte, dass der Motor unbeschadet war. Das ist doch schon mal etwas.

Dass Getriebe war natürlich bombenfest. Selbst der Gehäusedeckel war nicht abnehmbar. Ich hatte schon befürchtet, die Schrauben abzureißen oder die Schlitze zu zerstören. Aber nach einer Nacht im WD40-Bad, ja jetzt habe ich mit Öl angefangen J, konnte ich die Schrauben lösen. Eigentlich sah das Getriebe dann gar nicht so schlecht aus. Aber selbst nach mehreren Spülungen mit WD40 und Balistol war keinerlei Bewegung möglich.

Erst als der Malteserkreuzblock entfernt war, ließ sich der Rest des Getriebes gaaaanz allmählich durchdrehen. Das Kriechöl konnte dann besser wirken, und bald war das Getriebe wieder gangbar. Sollte das Malteserkreuz in irgendeiner Art und Weise verzogen sein, dann wäre hier wohl die Wiederbelebung des Projektors beendet.

 

 

 

                        

 

 

 

 

Aber die “Wundermittel“ WD40 und Balistol versagten auch beim Malteserkreuzblock nicht. Nach einem zweitägigen Tauchbad konnte das Malteserkreuz wieder frei durchgedreht werden. Also eingebaut und mal schauen wie es schnurrt.  Den Motor also provisorisch verdrahtet und angebaut.

 

Doch leider ließ sich die Kraft des Motors nicht auf das Getriebe übertragen. Die Kupplungsscheibe war derart verhärtet, dass jeglicher Grip verloren war. Jetzt war guter Rat erst mal teuer. Für den Versuchslauf konnte ich zwar den Motor einfach starr mit der Antriebswelle verbinden, aber zum Hochlaufen musste ich das Getriebe wie einen alten Lanz-Bulldog anwerfen. Das Getriebe lief – also Motor wieder abgebaut und nach einem Ersatz für die Kupplungsscheibe gesucht. Mehrere Versuche blieben erfolglos, denn neben dem Grip muss auch die Stärke und die Abriebsfestigkeit stimmen. Am Ende habe ich eine Sanitärdichtung auf den passenden Durchmesser  zugeschnitten und die Stärke mit Schmirgelpapier angepasst. Es wird wohl ein Dauerprovisorium bleiben.     

 

 

 

Den Gehäusedeckel des Getriebes mit Loctite 574 eingedichtet, festgeschraubt. Getriebespülung durchlaufen lassen und dann Getriebeöl eingefüllt. Mag sein, dass andere Getriebe noch etwas leichter/leiser laufen, aber für’s erste in Ordnung.

Wenn ich den Projektor wirklich wieder nutzen will, muss ich mir Gedanken um den Ton machen. Dabei ist mir Herr Dorn eingefallen. Ihn hatte ich in Waghäusel kennengelernt. Dort stellte er damals eine Eigenentwicklung eines Tonlaufwerks für den Bauer P5 vor.  Auch einen Pantasonprojektor hat er schon restauriert ( siehe Cine 8-16 No.  27  Seite 29-31).

Glücklicherweise war er auch in Deidesheim und ich konnte mich mit ihm austauschen.  Ich solle die Rollen gangbar machen, Tonrolle prüfen und wenn möglich die Spaltoptik checken. Auch wenn hier wieder der Ölfilm zugeschlagen hatte, ließ sich alles in einen brauchbaren Zustand versetzen, der eine Modifikation durch Herrn Dorn möglich macht.  

 

 

               

 

 

 

Also Projektor per “gelben Kurier“ ins Entwicklungslabor Dorn. Ganz toll waren die Gespräche (und die Tipps für die weiteren Schritte)  während der Umbauzeit. Somit war ich immer über die nächsten Schritte auf dem Laufenden. Viel schneller als abgesprochen kam der Projektor dann mit dem modifizierten Tonteil zurück. Die Tonlampe wurde durch eine rote power-star-LED (250 mA) und die Photozelle durch ine Fotodiode (Typ  BPX90) ersetzt.

                      

 

 

Ein entsprechendes Netzteil mit integriertem Vorverstärker wurde mitgeliefert. Die Anschlüsse wurden auf die vorhandenen Buchsen des Projektors gelegt.

                           

 

Jetzt musste nur noch das Projektionslicht erneuert werden. Durch das Malteserkreuzgetriebe ergibt sich ein sehr filmschonendes  Schaltverhältnis von 1:4, dieses bringt aber auch weniger Licht auf die Leinwand. Zunächst hatte ich vor eine Halogenlampe 36V/400Watt einzubauen. Da aber diese nur als Stiftsockellampe ausgeführt erhältlich sind – und somit ein Kondensor erforderlich ist – entschied ich mich für die Kaltlichtspiegel-Halogenlampe 24V/250W.

 

 

 

Versuchsweise klebte ich eine Fassung in den ehemaligen Kondensorspiegel.  Trotz des somit nicht eingehaltenen empfohlenen Auflagenmaß von 35 mm (für Osram HLX 64 653 ELC) war die Ausleuchtung für die gedachte Anwendung mehr als ausreichend.  Aber ein neues Problem war aufgetreten. Der Bildstrich lag, mehr oder weniger, genau in der Bildmitte und ließ sich auch mit der Bildstrichachse nicht richtig regulieren. Außerdem erfolgte der Filmtransport nicht ganz in der Dunkelphase, so dass man vom “Bildstand“ nichts erkennen konnte. Die Schaltrolle und Flügelblende mussten also neu justiert werden. Das ging einfacher als vermutet. Die Schaltrolle wird durch eine konische Schraube auf der Schaltrollenwelle gesichert. Lösen, Schaltrolle etwas verdrehen, festziehen und fertig. Die Flügelblende ist  mit 3 Schrauben an der Welle befestigt. Lösen, Getriebe von Hand verdrehen und prüfen wann die Bewegung der Schaltrolle beginnt, Flügelblende passend vor das Bildfenster verdrehen, Schrauben festziehen und auch fertig. Kurzer Kontrolllauf – sehr viel versprechend.

 

 

 

Aber zurück zur Projektionslampe. Um das geforderte Auflagenmaß relativ einfach erreichen zu können, befestigte ich eine Lampenhalterung ( siehe Fa. Wittner Best.-Nr. 4108 ) an der Halterung der ehemaligen Kondensorlinse.

 

 

 

 

 

 

 

 

So ergeben sich, neben einem optimalen Abstand, auch keine Ausrichtungsprobleme. Wieder ein kurzer Probelauf – super, die Helligkeit auf der Leinwand unterscheidet sich nicht zu einem Bauer P8 (gefühlt !!, nicht gemessen).

 

 

 

Da ich die Lampe mit einem eigenen Trafo betreiben will, könnte diese auch ohne Lüftung / Kühlung eingeschaltet werden. Im Originalzustand des Projektors wird die Lampenspannung parallel (da 110 V – Lampe) zur Motorspannung mit dem Hauptschalter geschaltet. Hier habe ich jetzt ein Relais zwischengeschaltet.  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Somit wäre das einfache Schaltbild des umgebauten Projektors:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Alle Kabel noch ordentlich fixiert, Lüftungskanal und Lampengehäuse gereinigt und montiert – das war‘s.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

So erschrocken ich bei der ersten Begegnung mit diesem Projektor war, so begeistert bin ich nun von dem Ergebnis der “Reanimation“  . Besonders freut mich, dass die äußerliche Optik nichts vom umgebauten Innenleben des Projektors erkennen lässt.

 

 

 

 

 

 

 

Also ab mit ihm auf seinen Standplatz, die Dorn-Tontechnik an Projektor und Hi-Fi Verstärker angeschlossen….……… Film ab.

 

 

Bei der Restauration des Projektors ist auch dieser kleine Film entstanden.

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Stand: 21. Oktober 2017